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FOC Eybesfeld - Trendshopping in mystischer Kulturlandschaft

Dilemma Zerstückelung Das Schloss Eybesfeld bei Jöß befindet sich in einer romantischen steirischen Hügellandschaft, die willkürlich durch industriellen Pragmatismus in unabhängige Stücke gerissen wird. Ruhig windet sich der Meander der Laßnitz durch eine fragmentierte Landschaft. Monotone Gewerbegebiete, großmasstäbliche Schotterabbauflächen, Baggerseen, Nutzwälder, Äcker, idyllische Städtchen und Dörfer bestimmen ihren Charakter. Das Schloss befindet sich an einer Jahrhunderte alten Handelsroute. Die Überreste einer geradlinigen Römerstraße zeugen noch heute von der frühen historischen Bedeutung. Mittlerweile übernehmen Schnellstraße und Autobahn ihre verbindende Funktion. Vor der Industrialisierung, zu Zeiten des Großgrundbesitzes war die Landschaft als koherente, fruchtbare Einheit erkennbar. Sie wurde geformt von saftigen Äckern, Wiesen und Wäldern, in denen idyllische Städte, Dörfer und Schlösser eingebettet waren. Im Erscheinungsbild einer Landschaft lässt sich die gesellschaftliche und ökonomische Gegenwart ablesen. Die grundlegende Veränderung von Wirtschaft und Staatsform in den vergangenen hundert Jahren haben dafür gesorgt, dass die althergerbrachte Typologie der Landschaft um Jöß hinfällig geworden ist. Jegliche großräumliche Beziehung verschwindet im Laufe der Zeit. Während historische Innenstädte als Einheit gepflegt und konserviert werden, bemüht man sich im ländlichen Bereich nicht mehr um einen räumlichen Zusammenhang der Landschaft. Die Ländereien um Jöß sind zu einer unzusammenhängenden Collage von Gewerbe- und Industriegebieten, Waldflächen, Baggerseen und Dörfern verkommen. Die einzelnen Collagenstücke sind scheinbar willkürlich mit Schnellstraßen und Autobahnen aneinandergekettet.

Lassen sich Kommerz und Landschaft vereinen? Auf den Ländereien des Schlosses Eybesfeld wurden in den letzten Jahren Gewerbeflächen ausgewiesen. Mittlerweile hat mit dem ÖAMTC ein erster Nutzer sein Quartier bezogen. Es zeichnen sich die Konturen weiterer hochwertiger Entwicklungen ab. Das Factory Outlet Center (FOC) bildet hierbei den Höhepunkt der zukünftigen Nutzung. Die große Verkaufsfläche wird eine große Anzahl an Besuchern mit sich bringen. Die Landschaft in der Umgebung wird sich nachhaltig verändern. Wenn man die räumliche Entwicklung des FOC betrachtet und diese in die Gegend um Jöß projeziert, drängen sich in Anbetracht der drohenden weiteren Zerstückelung der Landschaft einige Frage auf: - Kann der ursprüngliche Zusammenhalt der Landschaft durch ein räumlich übergeordnetes zeitgenössisches Konzept wiederhergestellt werden? - Sind gewerbliche und kommerzielle Nutzungen vereinbar mit den kulturellen und soziologischen Gegebenheiten ihrer direkten Umgebung? - Kann das FOC einen verantwortungsvollen positiven Beitrag liefern zum zukünftigen Raumerlebnis um Jöß? - Ist es möglich das FOC in eine koherente inspirierende Landschaft zu betten, die den wirtschaflichen und soziologischen Anforderungen des 21. Jahrhunderts entspricht?

Verantwortungsvolle Aufgabe für das FOC Der vorliegende Masterplan bietet eine einzigartige Antwort auf die Fragen rund um die Einbindung des FOC in seine Umgebung. Die Planung stellt eine Reihe hoher Anforderungen an die zukünftigen Entwicklungen, wodurch ein zusammenhängendes räumliches Gesamtkunstwerk des 21. Jahrhunderts entstehen kann. Der Masterplan ums Schloss Eybesfeld bezieht sich auf ein Gebiet, das den Umfang des FOC weit übersteigt. Das Gebiet erstreckt sich von der Laßnitz im Westen über den Schlosspark bis hin zum Soldatenfriedhof und die Bundesautobahn im Osten. Das Element Landschaft wird in allen Facetten benutzt, um aus funktionellen Einzelbausteinen einen einzigartigen Ort zu schaffen, an dem Kultur, Ökologie, Ökonomie und Zeitgeist zu einer Einheit verschmelzen.

Grüne Adern in der Landschaft Die direkte Umgebung des Schlosses Eybesfeld hat sich in den letzten Jahren in ein kulturelles Kleinod von Jöß entwickelt. Auf höchstem gestalterischem Niveau ist ein Minikosmos von Landschaft, Kunst und Architektur entstanden. In dem Park zwischen Laßnitz und Schnellstraße stehen Gebäude, Kunstwerke und Jahreszeiten in ständigem kritischen Dialog. Ziel des Masterplanes ist es, die inspirierende Ausstrahlung der Parkanlage über die Schnellstraße auszuweiten und alle zukünftigen Entwicklungen in eine Beziehung zu ihr zu stellen. Der Park wird der ikonenhafte Mittelpunkt aller zukünftigen Entwicklungen. Im Gewerbegebiet werden großzügige grüne Adern angelegt. Die Adern schließen in voller Breite an den Schlosspark und die umliegenden Äcker und Waldstücke an, sodass ein weitläufiges landschaftliches Geflecht um Jöß entsteht. Das Geflecht dient allen heutigen und zukünftigen Nutzern als hochwertige Adresse und Identifikationspunkt. Durch die verschiedensten Blickbeziehungen und die Verwendung einheimischer Vegetation werden die zukünftigen Gebäude in der Umgebung verankert. Die Erscheinungsform des Netzwerkes entspricht den vielschichtigen steirischen Landschaftstypen wie Streuobstwiesen, Äcker, Wälder, Weiden und Gärten. In der Nähe des FOC befindet sich eine Gedenkstätte für Menschen, die wegen des ersten Weltkrieges ihr Leben lassen mussten. Sie grenzt an ein Waldstück, in dem ein übergeordneter Erinnerungspark entstehen soll. Der Erinnerungspark wird ebenso ein Bestandteil des grünen Netzwerkes sein, wie die Aussenanlagen der Autoteststrecke des ÖAMTC und der Schlossgarten mit seinen zeitgenössischen Schätzen. Sämtliche Außenanlagen des FOC werden in der Logik des Landschaftskonzeptes behandelt. Anstelle überproportionierter grauer Parkplatzflächen werden eine Reihe herrschaftlicher Alleen mit Parkplätzen um das FOC enstehen. Auch das kommerzielle Herz des FOC wird im Gegensatz zu herkömmlichen anonymen introvertierten Factoryoutlets in enger Verbindung mit dem Grünnetzwerk stehen. Alle „Geschäfte“ gruppieren sich um einen zeitgenössisch gestalteten Garten. Wie im Schlossgarten werden Kunstprojekte und Raumobjekte den Besucher zum Nachdenken, Schmunzeln und Verweilen einladen. Das FOC befindet sich im geometrischen Zentrum der Gesamtplanung. Somit hat das Vorhaben eine Schlüsselposition im Masterplan.

Landschaft des 21. Jahrhunderts Die konsequente Umsetzung des Masterplanes wird dafür sorgen, dass das FOC ein internationales Pilotprojekt werden kann. Die gestalterische Bindung der Verkaufsflächen an die Region um Jöß spielt dabei eine herausragende Rolle. In jedem Fall bietet der Masterplan eine zukunftsweisende Perspektive für die Integration großmaßstäblicher Gewerbeeinheiten in eine reiche Kulturlandschaft. Seine besondere Stärke ist hierbei die umfassende Symbiose aus Wirtschaftlichkeit, Romantik, Kultur und Irrationalität. Der Masterplan leistet einen zeitgemäßen Beitrag zur Diskussion um den verantwortungsvollen Umgang mit unserem immer collagenhafter werdenden landschaftlichen Erbe.

Adriaan Geuze und Christoph Elsässer 2006