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MICHAEL SCHUSTER - EIBISFELD

Michael Schusters Werk für den Schlosspark in Eybesfeld erschließt sich am besten aus dem Flugzeug. Die Perspektive aus der Luft entspricht dem Blick von oben auf den Katasterplan, dem das Motiv der Arbeit entlehnt ist. Die Buchstaben E und i sind in Originalgröße genau an der Stelle errichtet worden, wo sie auf diesem Plan für Eibesfeld (alte Schreibweise für Eybesfeld) stehen. Wie in den meisten Arbeiten Schusters ist auch hier der subjektive, gestalterische Faktor des Werks weitgehend ausgeschaltet. Scheinbar "objektiv" wird ein alter Plan in der Wirklichkeit "abgebildet". Daraus leitet sich die subtile Paradoxie des Werkes ab: nicht der Plan bildet die Wirklichkeit ab, sondern die Wirklichkeit eines skulpturenähnlichen Werks den Plan.

Die Realisierung des Werks in stehend aneinander gereihten Eichenholzplanken leitet sich jedoch keineswegs aus dem alten Plan ab. Sie ist subjektiv, und doch in jener professionell-objektivierenden Form ausgeführt, wie sie für alle Arbeiten Schusters typisch ist. Die Dimension der Arbeit lässt an Land Art und den "erweiterten Kunstbegriff" der 70er Jahre denken. Doch es geht hier keineswegs um die Monumentalität einer Erfahrung, die sich erst im Umschreiten erschließe. Vielmehr geht es um einen allegorischen Code, der sehr heterogene Teile in unmittelbaren Zusammenhang stellt: das Holz, seine Verarbeitung, die Phänomenalität als Skulptur und ihre Lesbarkeit als Zeichen und Buchstaben, das Verhältnis von Landschaft und Text , schließlich die Beschriftung des Plans als Markierung von Territorium und Herrschaft.

Ein allegorischer, modellhafter Werkbegriff ist entscheidend für das Verständnis von Schusters Arbeit. Im Gegensatz zum traditionell symbolischen Werkbegriff, in dem sich Sinn und Erfahrung verdichten und durchdringen sollen, geht es hierbei um das Verknüpfen und Verschieben unzusammenhängender Teile und Kategorien. Dieses Nebeneinander von Material, Arbeit, Konzept, Verweis, Text, Ort und Landschaft, von künstlerischen Traditionen und solchen der Auftraggeber, führt nicht mehr zu symbolischer Überhöhung und Rechtfertigung. Es lässt vielmehr Brüche sichtbar werden innerhalb der künstlerischen Traditionen von Skulptur bis Concept Art, hinsichtlich der Traditionen von Schlossparkgestaltungen, des Verhältnisses von Künstlern und Auftraggebern. Der Witz der Arbeit, den historischen Katasterplan des 19. Jahrhunderts buchstäblich zu nehmen, setzt ein Spiel von Verweisen in Gang, das selbstreferentiellen Fragen der Kunst nach ihren Erfahrungs- und Erkenntniswerten zu stellen erlaubt, ohne dafür eindeutige und abschließende Antworten anzubieten.

Helmut Draxler

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